Der Rückruf von Mercedes-Transportern des Typs Vito wegen Verdachts auf

Abgasskandal: Daimler-Unterlagen an Staatsanwaltschaft übergeben



Der Rückruf von Mercedes-Transportern des Typs Vito wegen Verdachts auf Abgasmanipulation hat nun auch juristische Folgen. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hat seine jüngsten Erkenntnisse an die Staatsanwaltschaft Stuttgart übergeben. Das sei auf ausdrücklichen Wunsch von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) geschehen, heißt es aus dem Ministerium.

"Wir wurden vom KBA über den aktuellen Sachstand informiert", bestätigt ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Stuttgart auf SPIEGEL-Nachfrage. "Wir stehen im ständigen Austausch mit dem KBA." Der Sachverhalt, auf dem der Rückruf basiere, sei schon vorher Gegenstand der Ermittlungen gewesen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt seit vergangenem Jahr gegen bekannte und unbekannte Daimler-Mitarbeiter wegen Betrugsverdachts.

4900 Mercedes Vito zurückgerufen

Am Mittwoch hatte das Bundesverkehrsministerium angeordnet, dass rund 4900 Mercedes-Fahrzeuge des Typs Vito unverzüglich zurückgerufen werden. Im Zuge von Messungen seien Abschalteinrichtungen festgestellt worden, "die unzulässig sind". Daimler widerspricht den Vorwürfen und hat angekündigt, notfalls gerichtlich dagegen vorzugehen.

Bundesverkehrsminister Scheuer erklärte gegenüber dem SPIEGEL, er werde Daimler-Chef Dieter Zetsche am Montagins Ministerium einbestellen. Er habe "das Kraftfahrt-Bundesamt angewiesen, weiteren Verdachtsfällen bei Mercedes unverzüglich nachzugehen". Nach SPIEGEL-Informationen droht dem Daimler-Konzern der amtliche Rückruf von mehr als 600.000 Dieselfahrzeugen unter anderem der Baureihen C und G.

Dass ständig neue Fahrzeuge mit verdächtiger Software auftauchen, sorgt in der Berliner Politik zunehmend für Ärger. "Es wird auch fast drei Jahre nach Auffliegen des Skandals bei VW weiter von allen Herstellern getrickst und getäuscht", sagt Oliver Krischer, stellvertretender Vorsitzender der Grünen-Fraktion im Bundestag. Daimler und andere Hersteller hätten "keinen Respekt vor dem Kraftfahrtbundesamt und dem Verkehrsminister, auch weil keine Bußgelder verhängt werden."

Source: spiegel.de