Die wegen eines Missbrauchsskandals bereits um ein Jahr verschobene Vergabe

Literaturnobelpreis: Verleihung auch 2019 nicht sicher



Die wegen eines Missbrauchsskandals bereits um ein Jahr verschobene Vergabe des diesjährigen Literatur-Nobelpreises könnte sich noch weiter verzögern. Die Verleihung sei abhängig von Fortschritten bei der Aufarbeitung des Skandals sowie Reformen innerhalb der Akademie, sagte der Direktor der Schwedischen Akademie, Lars Heikensten. "Das bedeutet, dass 2019 nicht als feststehender Termin zu verstehen ist."

Der Literatur-Nobelpreis für das Jahr 2018 werde erst vergeben, "wenn die Schwedische Akademie Vertrauen zurückgewonnen hat oder dieser Prozess in ausreichendem Maß vorangeschritten ist", sagte Heikensten im schwedischen Radio. Die hoch angesehene Institution steckt seit dem vergangenen Herbst wegen eines Belästigungs- und Korruptionsskandals in einer tiefen Krise, etliche Mitglieder legten ihre Ämter nieder. Sie warfen anderen Mitgliedern vor den Skandal unter den Teppich kehren zu wollen.

Heikensten legte den verbliebenen Akademiemitgliedern nahe, über ihren Rücktritt nachzudenken.

Sexuelle Belästigung und Missbrauch

Vor rund drei Wochen zog die Akademie aus der Affäre die Konsequenzen und sagte die Vergabe des diesjährigen Nobelpreises ab. Dieser sollte nach ihren bisherigen Angaben im kommenden Jahr zusammen mit dem Preis 2019 verliehen werden.

Der Skandal dreht sich um mutmaßliche sexuelle Übergriffe des Ehemanns von Ex-Akademie-Mitglied Katarina Frostenson. Der französische Künstler Jean-Claude Arnault soll einem Bericht der Zeitung "Dagens Nyheter" zufolge über Jahre hinweg weibliche Mitglieder der Akademie, Mitarbeiterinnen und Frauen oder Töchter von Akademiemitgliedern sexuell belästigt oder missbraucht haben.

Arnault bestreitet die Vorwürfe, in einigen Fällen ermittelt die schwedische Staatsanwaltschaft.

Katarina Frostenson werden zudem Verstöße gegen Transparenzregeln vorgeworfen. Sie soll verschwiegen haben, dass sie Mitinhaberin einer von ihrem Mann geführten Veranstaltungsbühne zu sein, die Fördermittel von der Akademie erhalten hatte.

Der Umgang mit dem Skandal sorgte innerhalb der Akademie für großen Streit. Sechs der insgesamt 18 Mitglieder legten ihre Ämter nieder, darunter auch Frostenson.

cop/dpa/AFP

Source: spiegel.de