Ton und Geste waren - wie so oft bei Donald

Donald Trump: Diese Länder wären von US-Zöllen auf Autos betroffen



Ton und Geste waren - wie so oft bei Donald Trump - ziemlich martialisch. Der US-Präsident droht Amerikas Handelspartnern mit Zöllen auf die Einfuhr von Autos - und weil er dies mit einer "Gefahr für die nationale Sicherheit" begründet, setzte er den mit Handelsfragen sonst eher selten befassten Verteidigungsminister James Mattis in Kenntnis.

Hintergrund sind wohl die 2017 erstmals seit der Finanzkrise deutlich rückläufigen Verkaufszahlen auf dem US-Automarkt. Um heimische Konzerne wie Ford und General Motors zu schützen erwägt die US-Regierung die Einführung von Zollaufschlägen auf Importfahrzeuge von bis zu 25 Prozent.

Zum Hintergrund: Bislang schlagen die USA auf Importfahrzeuge 2,5 Prozent Einfuhrzölle auf. Die EU hingegen verlangt zehn Prozent. Allerdings haben beide Seiten - sowohl die EU als auch die USA - die jeweiligen maximalen Zollhöhen selbst festgelegt. Das war 1994, bei der Gründung der Welthandelsorganisation WTO. Die Mitglieder haben sich damals auch verpflichtet, die Zölle nicht zu verändern.

Welche Staaten wären besonders stark von der Maßnahme betroffen?

Wichtigste Lieferantenländer von Pkw sowie den in den USA immer beliebteren leichten Trucks und Sportgeländewagen waren in den vergangenen Jahren die Nachbarstaaten Mexiko und Kanada. Auf beide entfielen zuletzt fast die Hälfte aller Einfuhren in die USA. Auf dem dritten Platz folgt - wie aus der Auswertung von Statista hervorgeht - Japan. Deutschlands Autobauer liegen zwar auf Rang 4, das allerdings mit deutlichem Abstand.

Wie das "Wall Street Journal" berichtet, könnten für Kanada und Mexiko Ausnahmen gemacht werden. Beide Nachbarstaaten sind gemeinsam mit den USA Mitglied des Nafta-Handelsabkommens. Trumps Initiative scheine "auf japanische und europäische Autobauer zu zielen", konstatiert die Zeitung.

Allerdings: Der Wert deutscher Auto-Einfuhren in die USA ist bereits seit Jahren rückläufig. Auch der Anteil nicht in den USA gebauter Fahrzeuge deutscher Marken ist deutlich gesunken. Vor einigen Jahren lag er noch bei 15 Prozent, inzwischen sind es etwas mehr als 10 Prozent. Das hat auch damit zu tun, dass viele deutsche Konzerne längst Fabriken in den USA unterhalten. Das Beispiel BMW unterstreicht zudem, wie global der Automarkt inzwischen geworden ist: Die Deutschen bauen in US-Bundesstaat South Carolina etwa den Geländewagen X5 - und exportieren einen Teil der Fahrzeuge von dort aus nach China.

Im Fall der Volkswagen-Stammmarke VW weist eine Erhebung des "Wall Street Journal" für das erste Quartal 2018 aus, dass der Konzern in die Vereinigten Staaten nur wenig mehr Fahrzeuge einführt (etwa 43.000), als das Unternehmen selbst in US-Fabriken fertigen lässt (etwa 41.000).

Die Statistik lässt auch erahnen, dass Importzölle für die VW-Tochter Audi besonders stark ins Gewicht fallen würden: Audi führt fast alle Wagen aus Mexiko oder Europa in die USA ein.

Geht es den US-Autoherstellern wirklich so schlecht?

US-Wirtschaftsminister Wilbur Ross begründet mögliche Einfuhrzölle mit dramatischen Entwicklungen innerhalb der amerikanischen Autoindustrie. Es gebe "Hinweise darauf, dass Importe aus dem Ausland jahrzehntelang unsere heimische Autoindustrie ausgehöhlt haben", so der Minister. Zwischen 1990 und 2017 sei die Beschäftigung bei den US-Autobauern um 22 Prozent gesunken, obwohl die Amerikaner mehr Autos kauften als früher.

Tatsächlich vollzog sich eine dramatische Wandlung der US-Autobranche zwischen den Jahren 2000 und 2009. Innerhalb von weniger als einem Jahrzehnt sank die Zahl der Arbeiter von 1,3 Millionen auf 660.000. Seitdem stellen GM und Ford allerdings auch wieder kräftig ein: 2018 liegt die Zahl der Beschäftigten wieder bei fast einer Million.

Die USA sind auch weiterhin zweitgrößter Autobauer der Welt, hinter China. 2017 wurden innerhalb der Vereinigten Staaten 11,2 Millionen Fahrzeuge gefertigt, vor Japan und Deutschland mit 9,7 bzw. 5,6 Millionen.

Auch das Selbstbild von Amerikas Autobauern entspricht nicht recht dem Schreckensszenario, das Trumps Wirtschaftsminister Ross zeichnet. "Autohersteller und ihre Zulieferer sind Amerikas größter Exporteur", heißt es selbstbewusst im Bericht des "American Automotive Policy Council" zur Lage der Branche im Jahr 2017. Der Sektor hänge alle anderen Bereiche der US-Wirtschaft um 76 Milliarden Dollar ab.

Warum sind die Zölle Trump dennoch wichtig?

Die Statistiken zeigen, dass der Wert der Fahrzeugimporte in die USA seit 2010 tatsächlich deutlich gestiegen ist. Die Ausfuhren von in den USA gebauten Fahrzeugen legten allerdings sogar noch ein wenig stärker zu als die Einfuhren, nämlich um fast 60 Prozent.

Wie groß die Wirkung der Zölle - und der Nutzen für die US-Autoindustrie daraus - tatsächlich wäre, ist umstritten. Das "Wall Street Journal" stellt einen Zusammenhang zwischen der Initiative und Trumps Wiederwahlplänen 2020 her. Die US-Autoindustrie beschäftigt im Mittleren Westen hunderttausende Arbeiter und baut zwei Drittel der in den USA gefertigten Fahrzeuge. Bei der Wahl 2016 lagen hier auch Trumps Hochburgen - weil er mit protektionistischen Versprechungen bei den Wählern punkten konnte.

Trumps Planspiele treiben allerdings nicht nur dem Topmanagement der großen Automarken den Puls in die Höhe, auch viele Zulieferer betrachten sie mit Sorge. Grund dafür ist die Tatsache, dass nicht nur von Zöllen auf importierte Autos die Rede ist, sondern auch von Aufschlägen auf Autoteile.

Das Problem dabei ist, dass die Wertschöpfungsketten der Autoindustrie längst viele Ländergrenzen überschreiten: So werden Bauteile für Autokomponenten aus Mexiko zunächst nach Kanada geliefert und dann in den USA fertig zu Fahrzeugen zusammengesetzt. Eine Störung dieser Lieferketten könnte zu erheblichen Problemen für die US-Autoindustrie selbst führen, die eine große Zahl an Vorprodukten im Ausland bezieht.

Darüber hinaus ist die US-Zulieferbranche im Land ihrerseits in erheblichem Maße abhängig vom Export. Im vergangenen Jahr beliefen sich ihre Ausfuhren auf 85,6 Milliarden Dollar. Der Sektor wäre also anfällig für mögliche Vergeltungsmaßnahmen der Nachbarländer, aus Europa oder Asien.

Wie stark würden Trumps Autozölle Deutschland treffen?

Nach Berechnungen des Ifo-Instituts würde die Maßnahme Deutschlands Wirtschaftsleistung insgesamt um rund fünf Milliarden Euro mindern. Das wären empfindliche Verluste.

Gesamtwirtschaftlich würden sie allerdings kaum ins Gewicht fallen, sie entsprächen gerade einmal 0,16 Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung. Auch die Autobranche könnte sie wohl verschmerzen. Ihre Ausfuhren in alle Welt beliefen sich im vergangenen Jahr laut Statistischem Bundesamt auf insgesamt 234 Milliarden Euro.

Die Branche könnte auch auf andere Absatzmärkte ausweichen. China etwa hat gerade angekündigt, Zölle für Autoeinfuhren zu senken.

Source: spiegel.de